effrosyni

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Interstice 2015, site-specific installation at the Weserburg Museum for Modern Art in Bremen,
dry construction wall, wallcolor, paper sheet 50x75cm, 4 spotlights, 2 ballast inverter
Photo: 1-2 Jans Meier, 3-4 Effrosyni

“Die Weserburg residiert in einem historischen Speichergebäude, das 1991 in ein Museum für Gegenwartskunst verwandelt wurde. Um die Ausstellungsflächen den nötigen Erfordernissen einer internationalen Kunstinstitution anzupassen, mussten zahlreiche Wände entfernt, andere neu errichtet werden. Dabei entstanden vergessene Raumnischen, die seit über 20 Jahren weder sichtbar noch zugänglich sind. Mit ihrer ortsbezogenen Arbeit gewährt Effrosyni Kontogeorgou Einblick in einen dieser verborgenen Hohlräume.

Ein schmaler, eigens gebauter Gang endet in einer schwarz getünchten Kammer, die Kontogeorgou im doppelten Wortsinn als „camera obscura“ begreift. Es ist nicht nur ein dunkler Ausstellungsraum, sondern eine faszinierende Wahrnehmungsapparatur, die das Prinzip der Lochkamera nutzt. Durch eine unscheinbare, kreisrunde Öffnung fällt Licht auf ein Papier, das im Raum zu schweben scheint. Erst nach einem längeren Aufenthalt ist ein verschwommenes „Lichtbild“ zu erkennen, das nach den optischen Regeln auf dem Kopf steht. Es zeigt einen verborgenen Raum, der sich hinter der Rückwand befindet. Diesen hat Kontogeorgou mit Leuchtstoffröhren ausgestattet, ansonsten nichts verändert oder arrangiert. Zarte Licht- und Schattenumrisse deuten einzelne Details der Ausstellungsarchitektur an – neben altem Gemäuer und Stellagen auch eine vergessene Tür, die nirgendwohin führt.

Kontogeorgous Eingriff in die Museumsarchitektur ermöglicht eine Seherfahrung, die über das Vergangene und Gegenwärtige, über Präsenz und Absenz, aber auch und insbesondre über das Nicht-Sehen und Sehen nachdenken lässt. Das Hintergründige wird so eindrücklich mit dem Sinnlich-Poetischen verknüpft.”


Ingo Clauß, Curator of Weserburg Museum for Modern Art in Bremen