effrosyni

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Threshold 2017, site-specific installation at the Städtische Galerie in Bremen,
wood, steel, color
Photo: Franziska von den Driesch

„Effrosyni Kontogeorgou hat in die besonderen Gegebenheiten der Räume der Städtischen Galerie eingegriffen und unter dem Titel Threshold eine Treppe mit zwei Handläufen im Durchgang zwischen dem kleinen und dem großen Galerieraum installiert. Diese Treppe nimmt auf beiden Seiten mit ihrer leicht unterschiedlichen Farbigkeit Bezug auf die jeweiligen Gegebenheiten der angrenzenden Räume. So ist zum großen Galerieraum der dort einheitliche Boden aufgenommen worden, während auf der Seite der kleinen Galerie die Farbigkeit sich eher aus einem Mittelwert der vielen Töne des alten Steinbodens ergibt. Zwischen den beiden Treppenteilen befindet sich ein schmaler Spalt, der aufgrund seiner schwarzen Farbigkeit auch als Linie wirkt und eine besondere leibliche Verunsicherung verursacht, wenn man über die Treppe auf- und wieder absteigt.
Diese Verunsicherung ergibt sich jedoch aus der Ferne bereits im Bild der Treppe im Durchgang, denn dessen besondere Form, die wiederum aufgrund der architektonischen Gege-benheiten des alten Brauereigebäudes entsteht, bedingt eine Kurve in der Treppe, die den Eindruck verstärkt, dass diese Treppe nirgendwo hin führt. Denn es wird sehr deutlich, dass dieses Objekt den Durchgang versperrt, dass es ein Hindernis im gewohnten Ablauf eines Galerierundgangs darstellt. Was die körperliche Erfahrung der Besucher*innen angeht, wenn sie die Treppe benutzen, entstehen sogar Assoziationen an die sich selbst erneuernden unmöglichen Treppen M.C. Eschers, denn die eigene Bewegung des Auf- und Absteigens ist nur in einer merkwürdigen Verdrehung des Körpers möglich, sie erzeugt das Gefühl einer Spiralbewegung. Effrosyni Kontogeorgou spekuliert über „liminale Räume“ (nach Victor Turner) als konkrete architektonische Aspekte und Eingriffe. Tatsächlich ergibt sich eine derartige Liminalität, die man ganz im Sinne Turners hinsichtlich des Überschreitens der Treppe als Initiation beschreiben kann. Der Durchgang wird als solcher gekennzeichnet und für jeden, der später diesen Raum ohne Treppe wieder betritt, unwiederbringlich verändert. Ein direkter liminaler Zwischenraum wird aber auch durch die Auf- und Abbewegung sowie den schmalen, schwarzen Spalt in der obersten Stufe als Rezeptionserfahrung evoziert.“


Ingmar Lähnemann, Curator of the Städtische Galerie in Bremen