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Übergänge 2017, site-specific installation at the Galerie Herold in Bremen,
linoleum, wood, messing
Photo: Franziska von den Driesch

„(...) Den Räumlichkeiten der Galerie Herold entsprechend besteht die Intervention aus zwei miteinander verbundenen Räumen. Der Haupteingang zum großen Galerieraum wird durch eine wellenartige, auf dem Boden erbaute Holzkonstruktion gesperrt, deren Höhe der längsten Zeitdauer an den Bahnschranken (des Güterbahnhofs, Bremen) entspricht und die Ausstellungsbesucher unweigerlich dazu zwingt, den Nebeneingang am kleinen Galerieraum zu benutzen. Dort befindet sich eine in Struktur und Form vergleichbare Welle, deren Höhe ihrerseits der kürzesten Zeitdauer am Bahnübergang (des Güterbahnhofs, Bremen) entspricht und den Weg zum Fenster hindert, ohne ihn jedoch mit ihrer für Erwachsene mühelos überbrückbaren Höhe grundsätzlich zu sperren. Der Fußbodenbelag, der beide Krümmungen gleichmäßig überzieht, ist aus Linoleum, einem Material, das im gesamten Verwaltungsgebäude der ehemaligen Güterabfertigung vorhandenen ist. Seine Verwendung im Ausstellungsraum passt sich den innenarchitektonischen Gegebenheiten der Umgebung an, wodurch der Eindruck einer räumlich-funktionalen Kontinuität entsteht, die sich sogar in gestaltungsspezifischen Details wie Farbe und Muster des Bodenbelags widerspiegelt.

Durch die akribische Integration der formalen Elemente in den Ausstellungsort produziert die Künstlerin ein Verfremdungsmoment, das sich aus dem formal immanenten Widerspruch zwischen einer vermeintlichen Einheit und ihrer konstitutiven Fiktionalität bildet. Dieser Bruch erweist sich zugleich als Sinn und Erfahrung. Als Sinn ist er sowohl der Verweis auf einen problematisierten Sachverhalt als auch die Bedingung und das Verfahren der ästhetischen Ermöglichung. Darin zeichnet sich ein selbstreflexives Moment ab, nicht nur im Hinblick auf die Ortsspezifik und die Bezogenheit der Arbeit, sondern auch im Hinblick auf die Selbstverschleierung des Mediums zugunsten der Erfahrung. Denn erst durch die Erfahrung vor Ort wird die Arbeit als solche generiert. Der Rezipient wird mit einem bedingt begehbaren Raum konfrontiert, dessen scheinbare Einheit in der Erfahrung ihrer Unmöglichkeit aufgebrochen wird. Die Erfahrung des Bruches, die gleichsam körperlicher und geistiger Art ist, konstituiert die Einheit der Arbeit selbst, d.h. ihre Idealität als Kunst. Dabei wird die Metapher einer ortspezifischen Bedingung, der Eingangssituation des Güterbahnhofs, die wiederum auf dessen allgemeine Übergangssituation verweist, ästhetisch reflektiert und als räumliche Intervention erlebbar
.(...)“


Alejandro Perdomo Daniels





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